Immer wieder, wenn die Frage gestellt wird, wie leite ich jemanden zum kontemplativem Gebet an, oder wie kann ich es selber erlernen, kann ich nur folgendes sagen:
Ich habe keine Erfahrungen mit so genannten “gesunden” Christen in diesem Bereich und muss dies auch ausdrücklich betonen! Meine Erfahrungen bestehen nur aus Anleitung von Straßenkindern und Jugendlichen aus gewalttätigem und/oder vernachlässigendem Elternhaus – oft auch mit Missbrauchbiographie – und aus Anleitungen von traumatisierten/missbrauchten Erwachsenen. Somit kann mein Versuch eine Anleitung zu geben, nur sehr unvollkommen und auf keinen Fall für jeden richtig sein!!
Das kontemplative Gebet ist nach meinem Verständnis nie für eine therapeutische Maßnahme zu gebrauchen, so gut es sich auch für manchen anzubieten scheint! Es gibt viele Gründe das so zu sehen, aber der für mich wichtigste ist, dass ich davon überzeugt bin, dass Gott Glaube und Hinwendung nicht therapeutisch sieht, sondern als ein liebevollen Austausch zwischen Ihm und einem Menschen.
Wenn Du nach der unten beschriebenen Anleitung Andere anleiten – ich halte “begleiten” für die treffendere Termologie – willst, solltest Du meines Erachtens das kontemplative Gebet schon länger selber praktizieren und schon Deinen eigenen Weg gegangen sein.
Auch empfehle ich denen, die Kinder/Jugendliche /Erwachsene mit dem o. g. Hintergrund begleiten wollen, aber selber nicht diese Vergangenheit hatten, vorher die Übung zu machen, um wenigstens einen kleinen Einblick zu bekommen, mit welchen Schwierigkeiten die zu Begleitenden u. a. kämpfen weder.
Für die, die das kontemplative Gebet alleine – ohne Begleiter -, versuchen wollen, habe ich unten eine eigene Anleitung und Hinweise geschrieben.
Für alle aber gilt gleichermaßen:
Wie gute Eltern ein kleines Kind nicht überfordern werden und mit ihm sanft und zart umgehen, so und noch viel mehr geht Gott mit uns um! Er mutet uns erst mehr zu, wenn Er weiß, dass wir auch die Kraft und die Reife dazu haben. Deshalb geh’ bitte genauso behutsam mit Dir und Deinen zu Begleitenden um!! Lasst Euch Zeit zum wachsen! Es lässt sich nicht erzwingen!
Übung für Begleiter:
Gehe alleine an eine stark befahrene Straße, oder noch besser an eine sehr unruhigen Platz, wie z.B. einen Markt- oder Kinderspielplatz.
Setze Dich nicht an den Rand, sondern möglichst dicht an den Trubel.
Versuche nun, erst mit offenen – später mit geschlossenen – Augen, Deinen Kopf und Dein Herz für Gott leer zu machen.
Präge Dir Deine Gefühle und Schwierigkeiten dabei und danach genau ein/am besten Du schreibst sie auf!
Nun wiederhole die Übung mit einem Menschen der Dir sehr vertraut ist und Dir ein starkes Gefühl an Sicherheit geben kann. Dein Begleiter muss vorher wissen, das es seine Aufgabe ist, Dir jede mögliche Störung fern zu halten, wie z.B. Menschen – die Dich anreden wollen, Hunde – die an Dir schnuppern, Kinder – die etwas von Dir wollen. Vergiss nicht Deine Notizen über Dein Empfinden!
Nun wäre es gut, wenn ihr die Rollen tauscht. Erst danach redet über die Übung.
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Wenn Du meinst, dass Du jemanden begleiten willst, schaffe vorher einen Ort der Sicherheit, den der zu Begleitende, möglichst vorher auf seinem Bedürfnis nach Sicherheit und Wohlbefinden, getestet und als gut befunden hat.
Nach meiner Erfahrung, ist ein Platz mitten im Raum problematisch, besser ist es mit dem Rücken zur Wand und der Tür im Blick. Hilfreich ist es nebeneinander zu sitzen und nicht gegenüber, da wir, wenn wir uns mit jemanden uns auf den Weg machen, ja auch nebeneinander her gehen.
Eine Störung muss unbedingt ausgeschlossen sein -Telefon und Handy aus!
Wenn Du sagst “wir schließen die Augen” tue es auch selber; ich denke es ist eine Grundhaltung der Ehrlichkeit und des in Dich gesetzten Vertrauens, egal ob der zu Begleitende es tut oder Dich überprüft.
Die Anleitung ist in 4 Abschnitte gegliedert. Solltest Du merken, dass der den Du Begleitest nicht mehr weiter gehen kann oder will, gehe direkt auf Abschnitt 4 weiter.
Nicht immer, aber vor allem Kinder aus gewalttätigem Elternhaus oder missbrauchte Kinder/Erwachsene, möchten nach dem Begleiten nicht sofort – manchmal auch später nicht – über ihr Erlebnis in der Wassersäule reden. Baue ihnen schon vorher viele gute und für sie geh bare Brücken, damit sie sich frei für ein Reden oder Schweigen entscheiden zu können. Da Du selber weißt, wie intim das stehen vor Gott ist, respektiere dies Entscheidung auf jeden Fall.
Lese den Text nicht ab, da Du die Augen schließen wirst, ist das wohl auch nicht möglich.
Wie Du beginnst ist sehr von dem Kind/Erwachsenem abhängig – da ich davon aus gehe, dass Du ihm vertraut bist, wirst Du es schon am besten Wissen, vertraue da Deiner Intuition. Ein allgemeines lautes Gebet hat sich bewährt, aber nicht immer!
Lass Dir genügend Zeit auf dem Weg!
Anleitung für einen Begleiter:
1.
Lass’ uns beide die Augen schließen und 3x ruhig ein und tief und lange Ausatmen.
Nun suchen wir uns in Gedanken einen Ort, den wir mögen. Er ist Draußen auf einer Wiese, weit weg von allen Häusern und Straßen.
Diese Wiese ist sehr groß und grün. Die Sonne scheint warm auf uns.
Wir setzen uns in Gedanken hin, merken wie weich das Gras ist und wie uns die Sonne wärmt.
Nun, da wir uns dort sitzen sehen, geht jeder in Gedanken um sich herum, sieht dass alles ruhig und schön ist. Wir sehen, dass es uns gut geht.
Setze Dich wieder hin und fühle, dass du ganz bei dir bist.
2.
Jetzt wirst du merken, dass auf jeder Hand einen großen Vogel sitz. Es sind unsere Wächter. Lass’ den ersten Vogel fliegen und siehen wie er uns langsam umkreist.
Nun lass’ den 2. Vogel auch fliegen.
Langsam steigen unsere Wächter höher und ihre Kreise werden immer größer.
Sie passen auf uns auf, dass keiner uns stört oder beobachtet.
Wenn du meinst, dass die Wächter genau so hoch und weit kreisen, dass sie dich noch gut sehen, aber auch weitgenug alles überschauen, dann atme wieder 3x tief und langsam aus.
Genieße die Sicherheit und die Ruhe.
3.
Stehe in Gedanken auf und geh’ ein Stück nach vorne.
Jetzt siehst du eine klare Wassersäule langsam und warm aus der Erde sprudeln.
Dieses Wasser lädt’ dich ein hinein zu gehen.
So wie dieses Wasser, ist Gott um dich herum, umgibt dich überall, wärmt dich, ist bei dir und du darfst es einfach geschehen lassen.
Es ist nur für dich da, umflutet dich, ohne dass du etwas tust.
Es fliest um dich herum, ist lebendig und immer wieder neu.
–
Jetzt geh’ aus der Wassersäule raus, geh’ zurück an deinen Platz und setz dich wieder hin.
4.
Du siehst jetzt, dass unsere Wächter noch um hoch oben kreisen und wieder näher kommen. Lass ihnen Zeit wieder zu uns zurück zu kommen.
Wenn deine Vögel wieder auf deinen Händen sitzen atme wieder 3x langsam tief aus.
Wir verlassen die Wiese und öffnen wieder die Augen.
——
Für den der ohne Begleiter gehen will:
Ich erinnere noch mal daran, dass nicht für jeden dies der richtige Weg seien wird, es ist nur ein Weg von vielen Wegen!!
Wenn Du gehen willst, vor allem wenn Du das erste mal gehst:
- Suche Dir einen Platz an dem Du wirklich nicht gestört wirst und wo Du Dich sicher und wohl fühlst.
- Wenn dieser Platz Dein Bett seien sollte, lege Dich nicht hin, sondern setze Dich aufrecht, aber in einer angenehmen Haltung, hin.
- Es hat sich nicht bewährt eine Tageszeit zu wählen in der der Körper auf Hochtouren läuft, aber auch nicht, wenn er müde ist.
-Iss nicht direkt vorher sehr viel und geh’ noch mal zur Toilette, wenn Du viel getrunken hast.
-Zieh Dich warmgenug an, oder wickele Dich in eine Decke.
-Lies die Anleitung so oft, dass du sie nicht mehr ablesen musst.
-Sei zart und geduldig mit Dir selber!!
Anleitung für den Alleingang:
1.
Ich schließe die Augen und atme 3x ruhig ein und tief und lange aus.
Nun suchen ich mir in Gedanken einen Ort, den ich mag. Er ist Draußen auf einer Wiese, weit weg von allen Häusern und Straßen.
Diese Wiese ist sehr groß und grün. Die Sonne scheint warm.
Ich setze mich in Gedanken mitten auf die Wiese, merken wie weich das Gras ist und wie mich die Sonne wärmt.
Nun, da ich mich dort sitzen sehe, geht ich in Gedanken um mich herum und sehe, dass alles ruhig und schön ist. Ich sehen, dass es mir gut geht.
Ich setze mich wieder hin und fühle, dass ich ganz bei mir bin.
2.
Jetzt werde ich merken, dass auf jeder Hand einen großen Vogel sitz. Es sind meine Wächter.
Ich lasse den ersten Vogel fliegen und sehe wie er mich langsam umkreist.
Nun lasse ich den 2. Vogel auch fliegen.
Langsam steigen meine Wächter höher und ihre Kreise werden immer größer.
Sie passen auf mich auf, dass keiner mich stört oder beobachtet.
Wenn ich meine, dass die Wächter genau so hoch und weit kreisen, dass sie mich noch gut sehen, aber auch weitgenug alles überschauen, dann atme ich wieder 3x tief und langsam aus.
Ich genieße die Sicherheit und die Ruhe.
3.
Ich stehe in Gedanken auf und geh’ ein Stück nach vorne.
Jetzt sehe ich eine klare Wassersäule langsam und warm aus der Erde sprudeln.
Dieses Wasser lädt’ mich ein hinein zu gehen.
So wie dieses Wasser, ist Gott um mich herum, umgibt mich überall, wärmt mich, ist bei mir und ich darf es einfach geschehen lassen.
Es ist nur für mich da, umflutet mich, ohne dass ich etwas tu.
Es fliest um mich herum, ist lebendig und immer wieder neu.
–
Jetzt gehe ich aus der Wassersäule heraus, gehe zurück an meinen Platz und setz mich wieder hin.
4.
Ich sehe jetzt, dass meine Wächter noch hoch oben um mich kreisen und wieder näher kommen. Ich lasse ihnen Zeit wieder zu mir zurück zu kommen.
Wenn meine Vögel wieder auf meinen Händen sitzen atme wieder 3x langsam tief aus.
Ich verlassen die Wiese und öffne wieder die Augen.
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Danke für diese Anleitung.=)
Ich habe es gerade allein ausprobiert und ich muss sagen ich bin sehr überrascht.
Was genau ich gefühlt habe möchte ich jetzt nicht sagen,wahrscheinlich fühlt auch jeder was anderes, aber es lohnt sich auf jeden Fall es zu probieren.
Ich werde es ab jetzt öfter mal machen.
MfG