Ent-täuscht? Frei von Täuschung?!
Wie oft fühlen wir uns schon bei kleinen, oder größeren Problemen von Gott ungeliebt und vergessen und sind enttäuscht.
Ent-täuscht? Frei von Täuschung?! Das wäre doch gut!
Ja – Aber.. wir gehen in den Schmollwinkel, oder kündigen Gott das Vertrauen, oder verdammen uns selber in Grund und Boden. Wie selten sind da positive Gedanken und gute Gefühle für diese Zeit? Wie selten sehen wir in den schwierigen Lebensphasen die Möglichkeit für einen Weg zum „Erwachsen werden“?
Gebet ist auch reden, aber nicht nur! So wie wir mit einem uns nahe stehenden/ geliebten Menschen nicht nur reden, so kann es im Grunde mit Gott auch werden.
Natürlich sollten wir mit einander reden und dem Gegenüber auch zuhören, aber wir brauchen auch die Zeit des vertrauten beieinander seins, bei dem nicht primär das Gespräch zählt, sondern das aufmerksame Hinwenden zum Anderem und der vertraute Umgang miteinander.
Nur wenn wir bereit sind das Bild, daß wir vom Anderem/ von Gott haben, immer neu zu hinterfragen und zu erweitern, dann ist ein „Erkennen“ möglich.
Im 1. Gebot steht, daß wir uns kein Bild von Gott machen müssen, aber wir bleiben Menschen und werden uns Vorstellungen und Bilder von Gott machen; die Frage ist nur, wie ich damit umgehe. Prüfe ich mein Bild am “ Bodenpersonal“ Gottes oder gehe ich zum Ursprung, zu Gott?
Am einfachsten ist es an Hand einer guten Eltern – Kind-Beziehungen zu sehen. Ein kleines Kind wird seine Eltern als Erfüller aller Bedürfnisse, Zuwendung und Liebe empfinden und erkennen. Das ist auch gut so, denn so kann Vertrauen wachsen und aus diesem Vertrauen kann dann die Zeit des Lernens und Erwachsen Werdens getragen werden; denn in dieser Zeit werden Eltern Grenzen neu aufzeigen müssen, eigene Wege und Misserfolge müssen überstanden und Durchhaltevermögen und Selbsteinschätzung gelernt werden. Das sind Zeiten, die ein Kind manchmal als Ablehnung und Lieblosigkeit empfindet, sie werden ihm aber zugemutet, da sonst eine gesunde Entwicklung nicht möglich ist. Später, oft erst im Rückblick als Erwachsener, kann diese Zeit als Gewinn erkannt werden, das Verhältnis zu den Eltern erleidet auf diesem Weg trotzdem keinen Schaden.
Uns Verhältnis zu Gott kann genau so wachsen und uns zu mündigen Christen werden lassen.
Immer wieder sehe ich – sowohl bei mir, als auch bei anderen Christen – das Bild von einem Gott, der nur bestimmte Eigenschaften zu haben hat. Wenn das Leben dann schwierig wird, sind wir frustriert und „Ent-Täuscht“, ohne der Selbsttäuschung ins Gesicht zu sehen.
Ich glaube, nur wenn wir uns mit Gott sehr vertraut machen, Ihn nicht nur aus dem Blick eines Kindes sehen, sondern lernen Ihm zuzutrauen, dass er unsere ganze Entwicklung als mündige Nachfolger/Innen seines Sohnes will, dann wird Ent-Täuschung zum Gewinn.
Dazu von Christoph :
Jesus ist der Beweis – Gott ist kein Unmensch
Jesus wusch Füße – nicht Köpfe!
ich bin davon überzeugt, dass wir Christen es vom Grunde her noch immer nicht verstanden haben! Wie oft fühle ich mich berufen, jemanden den Kopf zu waschen und stelle später fest, daß eine Fußwaschung gerade diesem Menschen mehr geholfen hätte – - – und mir auch!
Es liegt bestimmt mit daran, daß wir uns in eine Position stellen, die uns über den Anderen stellt, denn sonst ist ja keine Kopfwäsche möglich. Dabei merken wir nicht, daß wir aus dieser Position niemanden ins Gesicht sehen können und auch von dem Anderen nicht gesehen werden können. Es ist ein „Ich bin oben – Du unten“ und “ ich kann, weiß’ und tu’ – Du erträgst, lieferst Dich aus und bist möglichst noch dankbar“.
Wenn wir uns schon zurechtweisen lassen wollen oder zurechtweisen, dann sollten wir sehen, ob wir es von oben als Kopfwäsche, oder von unten als Fußwaschung meinen und tun.
…wie dich selbst
Ein mir lieber Mensch sagte mir: „Du Myriel, ich möchte nicht dein Nächster sein! Wenn Du mit mir so umgehen würdest, wie mit Dir selber, dann würden mich Deine Lieblosigkeiten kränken und verletzen.“
Im ersten Moment dachte ich nur, daß dieser Spruch auch an Verletzung und Kränkung nicht zu überbieten sei. Erst nach mehreren Tagen, des Nachdenkens und der Eigenbeobachtung, fiel mir auf, wie recht es war mir so etwas zu zumuten!!
Es ist ein schmaler Grad zwischen – anderen dienen/sich in den Dienst zu stellen und sich selber zu überfordern/sich selber schlecht zu behandeln. Was immer wir tun und geben, auch wir müssen uns dienen und geben lassen. Jesus will uns die Fülle geben, aber wir müssen schon die Fülle auch sehen und annehmen.
Auch im Gebot der Liebe gibt es keine Ausnahmen! Jeder ist eingeschlossen – auch wir/ ich selber!
Mt 22,39
39 Das zweite aber ist diesem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
Lev 19, 18
18 Sei nicht rachgierig gegen deine Volksgenossen und trage ihnen nichts nach, sondern liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Ich bin der Herr!
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